Neulich habe ich dir davon geschrieben, wie ich merke, dass Veränderungen anstehen.
Heute möchte ich dir ein bisschen wissenschaftliche Grundlage zum Thema Veränderungen schicken. Nicht (nur), damit hier alles, was ich dir schreibe, höchst wissenschaftlich fundiert ist (öhöm). Sondern auch, weil mir dieses Wissen um Veränderungsprozesse und wie total normal das alles ist, hilft. Es hilft mir zu verstehen, an welchem Punkt in einer Veränderung ich gerade stehe und wie ich damit umgehen darf. Eveeeeentuell kann es auch dich beim nächsten „Ehrlich jetzt???? Muss das sein????“ unterstützen.
Ja, Veränderung ist ein Prozess, ein Ablauf von verschiedenen Schritten. Mal dauert der Prozess länger, mal ist er in ein paar Sekunden erledigt. Und beides ist tutto normalo.
Zunächst einmal zur Theorie
(weiter unten kommt dann der praktische Teil…falls dir die Theorie zu öde ist, einfach weiterscrollen)
Bei Veränderungen durchlaufen wir (alle) verschiedene Phasen. Ich habe dir hier ein Bild gemalt, dass dir die Schritte und den Ablauf zeigt:

Eine Veränderung beginnt mit einer Art Schock, mit einer Überraschung. Sei es für eine kurzzeitige Veränderung: „Huch, da ist ein Stau vor mir!“ Oder eine längerfristige: „Ich glaube, ich muss mir einen neuen Job suchen.“
Anschließend folgt die Verneinung. Deine Gedanken sind dann in etwa: „Das kann doch nicht wahr sein!“ oder „Nee, das glaube ich jetzt nicht.“
Anschließend kommen die rationale und die emotionale Einsicht. In diesen Phasen verstehen wir, dass es kein Zurück gibt.
In den Phasen Verneinung und rationale und emotionale Einsicht drehen wir uns ganz gerne im Kreis, weil wir einfach nicht wahrhaben wollen, was gerade passiert. Es kann eine ganze Weile dauern, bis wir da raus sind.
Ein kleiner Tipp: Wir können die Verbleibezeit verkürzen. Wenn / Da wir wissen, dass wir uns in dieser Phase befinden, können wir uns einen Schubs geben. Denn: Wir wissen ja, dass die nächste Phase auf jeden Fall kommen wird, ob wir das in diesem Moment wollen oder nicht. Das heißt nicht, dass wir diese Phasen ignorieren oder wegdrücken sollten. Sie sind wichtig, vor allem die emotionale Akzeptanz, um uns mit der Veränderung auseinander zu setzen. Aber das Wissen hilft, ein paar Runden weniger im Selbstmitleid zu drehen.
Denn dann probieren wir Alternativen aus wie wir mit der Situation umgehen könnten. Du kannst dir die Stau-Situation zum Beispiel damit versüßen, dass du ein Hörbuch anschmeißt oder die zuvor gekaufte Tafel Schokolade nun doch schon jetzt isst.
Und das alles führt dazu, dass du beim nächsten Mal direkt einen Plan zur Hand hast, wie du mit der Veränderungssituation umgehen kannst – du integrierst das Gerlernte in dein Leben.
Kommen wir zum Praxisbeispiel: Im Streichelzoo
🐐 Phase 1: Der Schock
Deine Gedanken: „NEIN! WAS? Die dumme Ziege knabbert an meiner nigelnagelneuen Gucci-Handtasche! AAAAHHHHHH!!!“
🐐 Phase 2: Die Verneinung
Deine Gedanken: „Nee, das glaube ich jetzt nicht. Die Tasche ist bestimmt nicht komplett kaputt. Ich sehe da zwar ein riesiges Loch, aber nein, das kann nicht sein, das, das geht bestimmt noch (hups, der Schlüssel und mein Lippenstift sind durch das Loch auf den Boden gefallen), die ist noch gut … oder doch nicht?“
🐐 Phase 3: Die rationale Einsicht
Deine Gedanken: „Na gut, ähm, jetzt liegt dann auch der Rest des Tascheninhalts in der Wiese und dieses Vieh knabbert immer noch an mir herum. Ich glaube, die Tasche ist echt hinüber.“
🐐 Phase 4: Emotionale Akzeptanz
Deine Gedanken: „Good Bye, liebe Tasche. Ich werde dich und das Geld, das ich für dich ausgegeben habe, vermissen. Schnief.“
🐐 Phase 5: Ausprobieren
Deine Gedanken: „Na ja, nun gut, wie könnte ich denn jetzt im Moment ohne diese Tasche leben? Hm. Zuerst einmal müssen diese ganzen Sachen, die da auf dem Boden liegen, in Sicherheit gebracht werden. … Nein, weg da!! Das ist definitiv MEIN Lippenstift und nicht deiner. KUSCH! … Ah, ich habe da noch eine Einkaufstüte in meiner Jackentasche. Rein mit den Sachen und dann raus damit in die Hände meines Mannes. Der sitzt ja außerhalb dieser hochgefährlichen Gefahrenzone und genießt die Sonne. … So, geschafft. Hach und auch die Ziegen haben sich jetzt ein anderes Opfer gesucht. Hihi.“
🐐 Phase 6: Integration
Deine Gedanken: „Was lernen wir daraus fürs nächste Mal?
Hast du Ziegen um dich rum,
sei nicht blöd und auch nicht dumm,
pack die Tasche besser weg,
dann hat sie später auch kein Leck.“
In diesem Sinne: Mäh!
Deine Isa
Auf dem Header-Foto siehst du unsere Patenziege Fritzi auf Hof Wörme
