Jetzt ist es schon über zwei Monate her, dass ich mich auf den Weg nach Bad Wimpfen (just google map it) gemacht habe, um an einem Schreib-Retreat teilzunehmen. Deshalb wird es Zeit, dass ich dir davon und was seither so in meinem Leben passiert ist, erzähle. Zumal wir schon eine Weile nichts mehr voneinander gehört haben. Also, los geht’s.
Die Menschen
Ich muss definitiv damit anfangen, von den Menschen zu erzählen, die ich kennengelernt habe. Denn sie sind am eindrücklichsten bei mir hängen geblieben. Ich habe Menschen kennengelernt, die ich so in meiner normalen Alltags-Bubble nie kennengelernt hätte: Eine Journalistin, die erst vor ein paar Jahren von einem ganz anderen Job zum Journalismus und damit zu ihrer Leidenschaft wechselte. Einen Forscher aus einem Uni-Klinikum. Eine Pastorin, die mal etwas anderes schreiben wollte als ihre kirchlichen Texte. Eine Psychologin. Eine Schauspielerin und Drehbuchautorin. Eine Rentnerin, die viele Pilgerreisen hinter sich hat. Und natürlich unseren Coach, einen waschechter Autor, der das Seminar leitete.
Es war so spannend, die Lebensgeschichten dieser Menschen zu hören und auch die Geschichten, die sie zu Papier brachten und bringen wollten. Jede:r von ihnen in der eigenen Geschwindigkeit, im eigenen Rhythmus, in der eigenen Art, zu schreiben und mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen, wie der Weg zum fertigen Buch zu gehen ist.
Was ich den ganzen Tag über gemacht habe
In der Woche, die ich im Kloster verbrachte, hatte ich alle Zeit der Welt, um mich meinem neuen Buchprojekt zu widmen: Ich wurde drei Mal am Tag mit leckerem Essen versorgt (hach, bestes, schwäbisches Essen) und am Nachmittag gab es eine Gruppen-Session mit unserem Coach, der uns fachliche Themen rund ums Schreiben auf die ruhigste Art ever vermittelte. Und dazwischen? Da saß ich in meinem Zimmer und habe geschrieben und geschrieben und geschr…
…und auch etwas gelernt
Uh, ja, das habe ich. Denn die Woche war eine Achterbahn der Gefühle für mich.
Bisher habe ich meine Bücher aus dem Bauch heraus geschrieben. Ich habe vielleicht mal Inspiration in anderen Büchern geholt und gefunden. Sei es thematisch, aber auch was den Aufbau des Buchs betraf. Aber ansonsten hatte ich nicht wirklich viel Ahnung vom fachlichen Vorgehen beim Schreiben eines Buches.
Unser Coach hat uns da so einiges erklärt und auch verdeutlicht, dass es beim Schreiben fachliches Handwerkszeug braucht. Auch dass Verlage darauf wertlegen, dass ein Buch einer gewissen Struktur entspricht, damit es die Leserschaft erreicht. Im Einzel-Coaching, das ich in der Woche hatte, gab er mir ein paar Tipps mit auf den Weg. Und genau das warf meine Gefühle erst einmal aus der Bahn.
Mein Herz und mein Kopf rebellierten: „Waaaas???? Jetzt soll ich mich in meiner Freizeit in meinem kreativen Prozess in eine Struktur zwängen lassen? So ein Mist! Pah! Dann lass ich das Geschreibe halt einfach sein, wenn es nicht so geht, wie ich es möchte! Und ist jetzt alles schlecht, was ich bisher geschrieben habe, oder wie? Pfff…“
Wenn wir auf eine Veränderung in unserem Leben stoßen, durchlaufen wir verschiedene Phasen. Vom Schock, dass die Veränderung ansteht, bis hin zur Integration der Veränderung in unser Leben. Eine dieser Phasen ist die „Verneinung“. Du könntest auch sagen, es ist die Trotzphase. Und da war ich mitten hineingeplumpst!
Das Gute war, dass ich wusste, dass ich in dieser Phase steckte. Deshalb wusste ich auch, dass ich das Schreiben selbstverständlich nicht hinschmeißen und auch, dass ich die Tipps irgendwann annehmen würde, um mich in meinem Schreiben weiterzuentwickeln. Aber zunächst einmal war ich gefangen in meinem Trotz, durfte akzeptieren, dass es so ist und konnte an mir selbst beobachten, wie ich dieses Dilemma in mir auflöste.
Als sich der Sturm in mir gelegt hatte, war mir dann klar, dass sich ein Schreibprozess weiterentwickeln darf. Entwickeln wir uns in unseren Fähigkeiten nicht ständig weiter? Eine Veränderung bedeutet nicht, dass das, was bisher war, schlecht war. Eine Veränderung bedeutet, dass das, was kommt, noch besser sein kann. Und so entwickelt sich wohl auch gerade meine Art des Schreibens weiter.
Ich werde künftig strukturierter schreiben, ohne jedoch meine Fantasie und die Wildheit meines Einhornhirns zu verlieren. Ich werde mich ein klein bisschen über Strukturen, Erzählweisen usw. von Büchern informieren. Außerdem möchte ich eine andere Art des Schreibens ausprobieren: Wenn ich bisher an einem Buch arbeitete, habe ich geschrieben und geschrieben und geschr… bis der gesamte Inhalt da war. Erst im Anschluss habe ich die ganze Geschichte überarbeitet, sodass letztendlich alles passte. Für das nächste Buch nehme ich mir vor, dass ich mit der Überarbeitung früher beginne. Und zwar direkt nachdem ich ein Kapitel zu Ende geschrieben habe. Das hat den Vorteil, dass ich nicht zum Schluss ein riesiges Kunstwerk mehrfach von vorne bis hinten bearbeiten muss, sondern den Großteil schon erledigt habe. Mal schauen, wie sich das so anfühlt und funktioniert.
Und wie geht‘s weiter?
Tatsächlich habe ich seit dem Schreib-Retreat nichts mehr an meinem neuem Roman geschrieben. Die Zeit im Kloster war so konzentriert, dass ich wohl erst einmal eine Pause brauchte und alles verarbeiten musste. Oder vielleicht ist es auch so: Ich durfte mir eine Pause gönnen, weil ich mich so intensiv mit mir und meinem Schreibprozess beschäftigt hatte. Aber keine Angst: Das Schreiben geht weiter. Ich stehe in den Startlöchern.
Außerdem sitze ich noch an einer anderen Aufgabe, die ich unbedingt zu Ende bringen möchte, bevor ich mich zurück ins neue Projekt stürze: Ich werde mein Magentabuch bei einem Verlag einreichen. Das bedeutet, dass ich ein sogenanntes Exposé schreiben muss, das zusammengefasst erklärt, worum es in dem Buch geht. Und das ist reine Fleißarbeit für mich, zu der ich mich ganz schön durchringen muss. Wahrscheinlich, weil ich es noch nie gemacht habe und mich deshalb nicht sicher damit fühle. Aber ich bin dran! Schweinehund, let’s go!
Das war’s erst einmal für dieses Jahr. Ich wünsche dir erholsame Adventstage, wunder-volle Feiertage und ein herrliches Rutschen ins neue Jahr. Wir hören uns wieder in 2026!
Bis dahin, rocke dein Leben!
